Drei bestätigte Todesfälle

Wilke-Wurstskandal: 1,6 Tonnen Grillfleisch sichergestellt 

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Wurde geschlossen: Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren. In einigen Produkten wurden Listerien nachgewiesen, die im Zusammenhang mit zwei Todesfällen stehen.

Im Skandal um den nordhessischen Wursthersteller Wurst Wilke haben die Behörden nun 1,6 Tonnen Grillfleisch sichergestellt. 

  • Bei der nordhessischen Firma Wilke Wurstwaren wurden gefährliche Listerien entdeckt.
  • Laut dem Robert-Koch-Institut steht diese Verunreinigung im Zusammenhang mit drei Todesfällen - 37 weitere Erkrankte sind bisher bekannt - der erste aus dem Jahr 2014.
  • Die Firma wurde am Mittwoch,02.10.2019, geschlossen, am Freitag darauf wurde der vorläufige Insolvenzantrag gestellt.
  • Wilke Wurstwaren hat einen kompletten Rückruf der Wurst gestartet. Unter anderem wurden die Produkte auch an Ikea geliefert.
  • Weitere Informationen zum Wilke-Skandal gibt es in unserem neuen News-Ticker: Alte Lebensmittel lagern in einer Halle in Kassel - Kritik an spärlichen Informationen

Update am 05.11.2019 um 8.48 Uhr - Mit vermeintlichen Bio-Waren und einer vielversprechenden Eigenmarke hat die Firma Wilke Wurstwaren in Twistetal versucht, Qualitätsprodukte zu vermarkten. Doch in der Wurst war nicht immer das, was drauf stand. Woher stammte die Wilke-Wurst?

Update vom Freitag, 1.11.2019, 15.50 Uhr:  Hessische Behörden haben im Zusammenhang mit den Skandal um den Wurst-Hersteller Wilke 1,6 Tonnen Grillfackeln und Fleischspieße sichergestellt. Die Ware müsse vernichtet werden, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie von Wilke stammt, teilte das Verbraucherschutzministerium in Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur mit. 

Wurst-Wilke: Anonyme Anzeige brachte Behörden auf Grillfleisch

Auslöser sei eine anonyme Anzeige gewesen, die am 18. Oktober beim Regierungspräsidium Kassel einging und auf den bislang nicht bekannten Vertrieb der Grillfackeln und Fleischspieße im Landkreis Waldeck-Frankenberg aufmerksam gemacht habe. Die Ware soll demnach ausschließlich aus Produkten der Firma Wilke hergestellt und über Verkaufsstände auf Großveranstaltungen wie Konzerten, Märkten und im Kirmesgeschäft verkauft worden sein. 

Die zuständige Behörde sei dem Verdacht noch am selben Tag nachgegangen, teilte das Ministerium mit. Die Firma, bei der die Ware gefunden wurde, habe zwar nachweisen können, dass sie seit Oktober 2019 Fleisch von anderen Betrieben bezieht. Es sei jedoch nicht absolut sicher, dass keine Wilke-Wurst mehr in den Beständen war. Der Fund wurde der Kriminalpolizei gemeldet. 

Update vom Freitag, 01.11.2019, 13.41 Uhr:  Hätte die Firma Wilke möglicherweise schon knapp zwei Wochen früher geschlossen werden können? Berichte der Frankfurter Rundschau und von FFH werfen diese Frage auf. Die Tageszeitung und der Radiosender beziehen sich hierbei auf eine Äußerung von Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne), die am Donnerstag auf Nachfrage gesagte habe, dass der Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits in der Telefonkonferenz am 20. September 2019 von einer möglichen Schließung des Betriebs gesprochen hätte. 

Einen entsprechenden O-Ton, in dem die Ministerin bestätigt, dass der Landkreis bereits an jenem Tag eine Schließung der Firma Wilke „ins Gespräch gebracht hat“, veröffentlichte FFH ebenfalls am Donnerstag.

Bei der damaligen Telefonkonferenz waren neben dem Landkreis und dem Regierungspräsidium (RP) Kassel auch das Verbraucherschutzministerium sowie das Hessische Landeslabor vertreten.

Doch warum kam es nicht schon zu einer Betriebsschließung im September? Auf Anfrage unserer Zeitung sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag, dass der Landkreis in der Konferenz am 20. September 2019 angefragt habe, ob das RP Kassel tätig werden könne und dem Betrieb die Zulassung entziehen würde. Das RP habe die Maßnahme jedoch abgelehnt, da zu diesem Zeitpunkt keine zulassungsrelevanten Mängel bekannt gewesen seien.

Die an der Telefonkonferenz Beteiligten seien sich seinerzeit einig darüber gewesen, dass die Veterinärbehörde zur Sicherstellung des Verbraucherschutzes zunächst konkrete Anordnungen hinsichtlich Steigerung der Probenahmen, Reinigung und Desinfektion sowie Auslieferung von Ware treffe.

„Diese Anordnungen wurden zunächst als zielführend angesehen, um die Weiterverbreitung von Listerien wirksam zu verhindern. Das Ministerium hat diese Entscheidung mitgetragen, weil das Ausmaß der baulichen und hygienischen Mängel sowie die Unzuverlässigkeit des Lebensmittelunternehmers von der zuständigen Behörde nicht thematisiert wurde“, teilt die Ministeriumssprecherin weiter mit. Vor diesem Hintergrund sei eine vom Landrat zu veranlassende komplette Betriebsschließung von allen Beteiligten als rechtlich zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich angesehen worden.

Die Firma Wilke wurde schließlich am 1. Oktober 2019 geschlossen.

Update vom Freitag, 01.11.2019, 06.53 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Wilke-Wurstskandal hat es einen weiteren Fund gegeben. Hessische Behörden haben 1,6 Tonnen Grillfackeln und Fleischspieße sichergestellt. 

Die Ware müsse vernichtet werden, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie von Wilke stammt. Das teilte das Verbraucherschutzministerium der Deutsche Presse-Agentur auf Nachfrage mit. Der Auslöser sei eine Anonyme Anzeige beim Regierungspräsidium Kassel gewesen. 

Update vom Mittwoch, 16.10.2019, 13.37 Uhr -  Im Fall keimbelasteter Wurst des Herstellers Wilke hat Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) Unstimmigkeiten bei der Kontrolle des Unternehmens eingeräumt. Eine für den 5. September geplante gemeinsame Betriebskontrolle mit anderen Behörden habe der zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg allein vorgenommen, sagte Hinz am Mittwoch vor dem Umweltausschuss in Wiesbaden. 

Über die bei der Kontrolle vorgefundenen Mängel in dem mittlerweile geschlossenen Betrieb habe der Landkreis dem Regierungspräsidium in der Besprechung nach bisherigem Kenntnisstand unzureichend berichtet. 

Ministerin Hinz: Zustände bei Wilke sind "schockierend"

Hinz informierte am heutigen Donnerstag im Umweltausschuss des landtages über die den Fall Wilke: "Die Zustände, die bisher im Betrieb Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren aufgedeckt wurden, sind schockierend. Dass wir den Betrieb geschlossen haben, war richtig und wurde vom Verwaltungsgericht Kassel am Montag bestätigt“, erklärt Hinz.

Landkreis hat Kontrolle selbstständig vorgezogen und nicht auf Mitarbeiter des Regierungsprädisums gewartet

Eigentlich sollten laut Ministerin an der Kontrolle neben dem Kreis das Regierungspräsidium Kassel und das Landeslabor Hessen teilnehmen. Nach derzeitiger Aktenlage sei die Kontrolle vom Landkreis vor dem verabredeten Zeitpunkt und vor dem Eintreffen der Vertreter des Regierungspräsidiums Kassel und des Landeslabors Hessen durchgeführt worden. Aktuell stehe die Aufarbeitung der behördlichen Vorgänge im Fokus, betonte Hinz.

Landkreis soll bis zum 25. Oktober ausführlich über den Fall berichten

Stattdessen kam es demnach nur zu einer gemeinsamen Besprechung an diesem Tag. "Die Aufklärungsarbeit steht jetzt im Fokus. Wir haben den Landkreis aufgefordert, bis 25. Oktober ausführlich über noch offene Fragen zu berichten", sagte Hinz. Auch das Regierungspräsdium Kassel wurde aufgefordert einen Bericht über verangene Kontrollen und Maßnahmen im Fall Wilke zu erstellen - die Frist wurde heir bis zum 18. Oktober gestezt.

In der Wurst des Herstellers Wilke in Twistetal-Berndorf waren Listerien nachgewiesen worden. Drei Todesfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Behörden hatten den Betrieb vor zwei Wochen geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. 

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft den Behörden vor, zu spät reagiert zu haben. Laut dem Hessischen Verbraucherschutzministerium wurde erst am 16. September klar, dass es einen Zusammenhang zwischen den Listerioseausbrüchen und der Firma Wilke gibt.

Update vom Dienstag, 15.10.2019, 11.10 Uhr - Nach dem Lebensmittelrecht ist es verboten, gesundheitsschädliche Lebensmittel in Verkehr zu bringen.“ Die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Kassel macht in ihrer Begründung sofort klar, warum sie den Eilantrag der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren abgelehnt hat. Das Berndorfer Unternehmen hatte am Donnerstag einen Antrag gegen Schließung gestellt. Diesen wies die Kammer nun zurück.

Insbesondere „zwei lebensmittelrechtliche Verstöße in Form des Inverkehrbringens von mit pathogenen Listerien befallenen Lebensmitteln (Wurstwaren) im März und April 2019“ benennt die Kammer. Außerdem verweist sie darauf, „dass am 26. April 2019 nach erfolgter Reinigung und Desinfektion Tupfer beziehungsweise Schwämmchenproben aus verschiedenen Produktionsbereichen entnommen worden sind“.

Selbst nach Reinigung und Desinfektion wurden bei Wilke noch Listerien nachgewiesen

In fünf Schwämmchen seien jeweils pathogene (krankmachende) und in zwei weiteren Schwämmchen apathogene Listerien nachgewiesen worden. Ferner seien durch das Bekanntwerden des Listeriosegeschehens engmaschige Kontrollen bei der Firma Wilke durch den Fachdienst des Landkreises Waldeck-Frankenberg erfolgt, wobei wiederholt Mängel in der Bau-, Arbeits- und Prozesshygiene festgestellt worden seien. Dies sei ebenso wie die ungenügende Umsetzung des Hygienemanagements des Unternehmens dem Gutachten der Task Force Lebensmittelsicherheit zu entnehmen.

Kammer weist auf eklatante Mängel bei der Entsorgung der Schlachtabfälle hin

Die Kammer wies auch auf eklatante Mängel hin, die am 4. September 2019 im Konfiskatraum der Firma Wilke entdeckt worden seien. Hierbei handelt es sich um einen Raum, in dem Fleisch gelagert wird, das aus hygienischen Gründen oder aus Krankheitsgründen nicht mehr zum Verzehr geeignet ist und das kurzfristig entsorgt werden muss.

Raum voller vergammelter Ware, Schimmel Fäulnis und Gestank

In einer Feststellung dazu heißt es: „Der Konfiskatraum wurde offensichtlich vor Kontrolle mit einem Bügelschloss verschlossen. Auf Drängen fand man den Schlüssel, hier herrschte das reinste Chaos. Der Raum war gefüllt mit völlig vergammelter Ware, Schimmel, Fäulnis, Gestank. Am Boden war eine stinkende Flüssigkeit. Durch diese Flüssigkeit fuhr man, nach den Spuren zu bemessen, mit einem Gefährt Ware nach draußen, anschließend wieder durch die stinkende Flüssigkeit in reine Räume.“

Laut Vewaltungsericht: Hygienische und bauliche Mängel bei Wilke sind Nährboden für Listerien

Die seitens des Landkreises im Einzelnen beschriebenen Mängel machen es laut der 5. Kammer nachvollziehbar, dass der Betrieb in seinem gegenwärtigen hygienischen und baulichen Zustand ideale Bedingungen für eine Ansiedlung, Vermehrung und Verbreitung von Listerien biete. So erstaune es auch nicht, dass am 25. September 2019 vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor trotz einer durch die Veterinärbehörde am 20. September 2019 verfügten Grundreinigung und Desinfektion an zwei von fünf Slicern sowie dem Kutter erneut Listerien nachgewiesen worden seien.

Listerienquelle bei Wilke noch immer nicht identifiziert - Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung

„Da eine konkrete Kontaminationsquelle trotz Anordnungen durch den Landkreis bislang nicht mit der gebotenen Sicherheit festgestellt und damit auch nicht beseitigt werden konnten, besteht bei einem weiteren Vertrieb die Gefahr, dass erneut kontaminierte Lebensmittel in Verkehr gelangen“, stellt die Kammer fest. Entgegen der Sichtweise der Firma Wilke gehe es nicht darum, nachträglich Sanktionen für die Vergangenheit zu verhängen, sondern eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung weitestgehend und zeitnah reduzieren können.

Laut Gericht: Rückruf und Betriebsschließung waren nicht nur angemessen sondern alternativlos

 „Vor diesem Hintergrund hat das Gericht keinen Zweifel daran, dass die Untersagungsanordnung und der Rückruf nicht nur angemessen, sondern alternativlos sind, um erhebliche und schwerwiegende Gefahren für Leib und Leben einer Vielzahl von Menschen soweit wie möglich zu minimieren“, schreibt die Kammer.

Der Firma Wilke bleibe jetzt noch die Möglichkeit, Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof einzulegen.

Update vom Montag, 14.10.2019, 16.30 Uhr - Die Wurstherstellung der Firma Wilke Wurstwaren aus Twistetal-Berndorf bleibt gestoppt: Das Unternehmen hatte am Donnerstag, 10.10.2019, einen Eilantrag beim Verwaltungegericht Kassel gegen die Schließung des Betrieb gestellt - dieser wurde jetzt abgelehnt, teilte ein Gerichtssprecher mit. Wilke könne demnach nun noch in der Sache Beschwerde vor den hessischen Verwaltungsgerichtshof einlegen.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien gefunden worden. Drei Todesfälle werden mit Waren des Unternehmens in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Wilke hat mittlerweile vorläufige Insolvenz angemeldet. Die 200 Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht. Der Insolvenzverwalter äußerte sich zuletzt nicht öffentlich zur Zukunft des Unternehmens. Ob es im Rechtsstreit über die Firmenschließung ein Hauptsacheverfahren gibt, ist unklar. 

Laut Verwaltungsgericht wäre dieses nötig, falls Wilke Schadenersatzansprüche gegen den Landkreis wegen der Schließung anstreben sollte. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist eine Wiederaufnahme des Betriebs unwahrscheinlich. "Ich sehe da schwarz", sagte Gewerkschaftsgeschäftsführer Andreas Kampmann: Die einzige Hoffnung für die Mitarbeiter sei weiterhin nur, dass sich ein Investor finde, der für die Firma eine neue Verwendung finde.

Update vom Donnerstag, 10.10.2019, 17.38 Uhr - Der Skandal um keimbelastete Lebensmittel der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH ist größer und reicht weiter in die Vergangenheit zurück als bisher bekannt. Bekannt war bereits, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 37 Erkrankungsfälle dem Listeriose-Stamm der Wilke-Produkte zugeordnet hat - allerdings stammen diese Erkrankungsfälle aus den Jahren 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019. 

RKI bestätigt derzeit drei Todesfälle - aber nicht aus Südhessen

Einem Bericht des RKI zufolge sind seit 2017  drei Patienten "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben - aufgezählt wird jeweils ein Fall in Baden-Württemberg im Jahr 2018, in Nordrhein-Westfalen (2017 oder 2018) und in Sachsen-Anhalt (2018). Bei einem weiteren Verstorbenen konnte demnach die Todesursache nicht ermittelt werden. Bisher wurde immern von zwei Todesfällen in Südhessen berichtet, das wurde in dem Bericht des RKI nicht bestätigt. Unklar ist, ob es sich hierbei um weitere Fälle handelt, die bislang nicht vom RKI erfasst wurden.

Betroffene haben sich vor allem in Gesundheitseinrichtungen infiziert

Laut dem RKI habe sich die Mehrheit der Betroffenen in Gesundhietseinrichtungen mit der Listeriose infiziert. So hatten in den Jahren 2018 und 2019 20 von 28 Erkrankten einen "stationären Aufenthalt". Das Robert-Koch-Institut geht grundsätzlich von einer Dunkelziffer bei den Erkrankungsfällen aus, weil nicht jede Listeriose-Erkrankung diagnostiziert und gemeldet wird oder keinem bestimmten Ausbruch zugeordnet werden kann.

Foodwtch kritisiert hessische Behörden scharf

Die Organisation Foodwatch kritisiert deshalb die bisherige Infromationspolitik der hessischen Behörden: "Es reicht eben nicht, Produktnamen und Marken für etikettierte Lebensmittel zu benennen, wenn sich die Menschen in Kliniken und Kantinen oder mit loser Ware anstecken können. Die hessischen Behörden dürfen nicht länger mauern, sondern müssen endlich alle bekannten Informationen über die Abgabe- und Verkaufsstellen der zurückgerufenen Lebensmittel öffentlich machen", sagt Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Firma Wilke legt Widerspruch gegen Betriebsschließung ein

Unterdessen hat die Firma Wilke Wurstwaren am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag gestellt, mit dem sie sich gegen die vom Landkreis Waldeck-Frankenberg verfügte Betriebsuntersagung zur Wehr setzt. Der Landkreis hat durch eine mündliche Anordnung vom 01.10.2019 der Firma Wilke das Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von Lebensmitteln in der Betriebsstätte in Berndorf mit sofortiger Wirkung untersagt. Gegen diesen Bescheid hat Wilke jetzt Widerspruch eingelegt, mit dem Ziel, den Betrieb fortführen zu können.

Im Laufe des Listerien-Skandals wurden weitere Skandale bei der Firma aufgedeckt - so wurden vor allem die ausländischen Mitarbeiter der Firma systematisch ausgebeutet.

Update vom Mittwoch, 09.10.2019, 17.36 Uhr: Nach dem Skandal um Listerien in Wurstwaren der nordhessischen Firma Wilke räumt Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) Fehler. Natürlich sei es nicht gut, dass der erste konkrete Hinweis auf Listerien in Wurstwaren der nordhessischen Firma Wilke aus Berlin von dem Ministerium im August erst nach einer Woche an die örtlichen Behörden weitergegeben wurde, erklärte sie am Mittwoch in Wiesbaden.

Neben Krankheitsfällen in der zuständigen Abteilung nennt sie als Grund, dass die Priorität des nicht als eilbedürftig ausgewiesenen Schreibens nicht schnell genug erkannt wurde. Das werde aufgearbeitet und solle sich nicht wiederholen, verspricht die in ihrer fast sechsjährigen Amtszeit erstmals politisch unter Druck geratene Grünen-Politikerin.

Listerien in Wurst von Wilke: Todesfälle gab es schon 2018

Doch das Versäumnis mit den acht Tagen "Auszeit" bei der Weitergabe der Info ist wahrhaftig nicht das einzige Problem in dem Fall mit zwei Todesopfern und 37 weiteren Erkrankungen durch gesundheitsschädliche Keime in Wilke-Wurstprodukten. Die Todesfälle hatte es nämlich bereits im Jahr 2018 gegeben, wo genau wissen die Behörden laut Hinz gar nicht, auch nicht, ob es in Hessen oder außerhalb war.

Mehr als ein Jahr dauerte es jedenfalls, bis das Robert-Koch-Institut am 16. September 2019 definitiv den Zusammenhang zwischen diesen Todesfällen und dem Verzehr von Wilke-Wurst bestätigte. Das ist für eine solche Analyse nicht ungewöhnlich, mussten doch erst Listerien-Stämme isoliert, Lieferketten nachverfolgt und alle möglichen Untersuchungen abgeschlossen werden.

Schon im März gab es Hinweise auf Keimbefall eines Wilke-Wurstprodukts

Die Frage ist aber, ob nicht aufgrund vielfacher Hinweise in der Zwischenzeit wesentlich schneller gehandelt werden müssen, als den Betrieb erst am 2. Oktober dieses Jahres zu schließen. So hatte es bereits im März Hinweise auf Keimbefall eines Wilke-Wurstprodukts gegeben. Und zwei Tage nach Eingang der Mail des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Wiesbadener Umweltministerium gab es noch eine "Routinekontrolle" bei Wilke in Nordhessen - ohne Befund.

Da seien aber auch keine Proben genommen worden, sagt Hinz. Die Ministerin verweist auf die von ihrer Partei immer abgelehnte Übertragung der Zuständigkeiten für Lebensmittelüberwachung auf die kommunalen Behörden vor Ort.

Listerien in Wurst von Wilke: Umweltminister Hinz will die Lebensmittelkontrolle stärken

Aber ausdrücklich verbindet sie damit keine Schuldzuweisung. Sie verspricht aber, alle Vorgänge genau zu überprüfen und plädiert schon dafür, dass die Lebensmittelkontrolle "schlagkräftiger" gemacht werden müsse. Einen Gesetzentwurf mit dem Ziel einer Aufstockung des Personals habe sie ja schon im Sommer in den Landtag eingebracht.

Ob das reicht, will sie erst nach Auswertung aller Abläufe entscheiden und gegebenenfalls weitere Vorschläge unterbreiten und Konsequenzen ziehen. Was die schnelle Schließung des Betriebs verhinderte, ist nach ihren Worten auch der Rechtsgrundsatz, dass betroffenen Unternehmen erst einmal die Chance eingeräumt werden muss, die Mängel zu beseitigen. Nur wenn das nicht geschieht, kann zu dem scharfen Schwert der Betriebsschließung gegriffen werden.

Aufarbeitung des Wurstskandals wird erschwert

Noch hat Hinz nach eigenen Angaben den Bericht des Landkreises Waldeck-Frankenberg über die dortigen Abläufe nicht vorliegen. Erschwert wird die Aufarbeitung des Wurstskandals auch durch die Insolvenz der Firma und die eingeleiteten Ermittlungen gegen den Geschäftsführer von Wilke. Eine Zusammenarbeit mit der Firma gebe es praktisch nicht, und am Dienstag hätten die Behörden noch alle Anstrengungen unternehmen müssen, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten, damit die noch nicht entsorgten Wurstwaren wenigstens weiter gekühlt werden können.

Die Zahl der auf dem Onlineportal lebensmittel.de eingestellten Handelsmarken von Wilke Wurst hat sich derweil von 13 auf 23 erhöht. Und Hinz kann nicht ausschließen, dass es noch mehr werden. Die Recherchen vor Ort dauern an.

Listerien in Wurst: Fahrlässige Tötung? Anzeige gegen Wilke-Geschäftsführer erstattet

Update am 09.10.2019 um 12.46 Uhr -  Foodwatch hatte beim Kasseler Verwaltungsgericht einen Eilantrag eingereicht, um den Landkreis Waldeck-Frankenberg zu verpflichten, sämtliche bekannten Abnehmer der vom Rückruf von Wilke betroffenen Produkte zu veröffentlichen. Wann über diesen Antrag entschieden wird, ist noch unklar, heißt es nun beim Gericht. 

Zunächst müsse dem Antragsgegner die Gelegenheit gegeben werden, Stellung zu beziehen, sagte der Vorsitzende Richter auf Nachfrage. Auch Unterlagen müssten noch eingesehen werden. Möglicherweise wird noch in dieser Woche eine Entscheidung fallen.

Update am 08.10.2019 um 22.12 Uhr - Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat Anzeige gegen den Wilke Geschäftsführer Klaus Rohloff erstattet, so berichtet es Bild.de am Abend. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat demnach ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachtes der fahrlässigenTötung, fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch eingeleitet.

Bekanntgeworden war der Wurst-Skandal am vergangenemn Mittwoch. Das Robert-Koch-Institut (RKI) konnte nachweisen, dass zwei Todesfälle in Südhessen auf den Listerien-Stamm der verkeimten Wurst bei der Firma Wilke Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf zurückzuführen sind. Insgesamt 37 weitere Krankheitsfälle wurden vom RKI beobachtet. Die Firma wurde noch am selben Tag geschlossen und hat mittlerweile vorläufige Insolvenz angemeldet. 

Viel Kritik gab es seit Bekanntwerden vor allem an den Behlörden, da zunächst keine Liste der Produkte mit Wilke-Wurst vorlag - die wurde am Montag veröffentlicht.

Update am 08.10.2019 um 16.05 Uhr - Offenbar stand der Wurst-Hersteller schon vor dem Listerien-Skandal kurz vor dem wirtschaftlichen Aus: Die Zahlungsunfähigkeit habe bereits länger gedroht, der Rückruf und die Schließung habe den Weg nur beschleunigt, sagte Andreas Kampmann, Geschäftsführer der Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Mittel- und Nordhessen. Bereits vor Wochen habe der Wilke-Betriebsrat Kontakt mit der NGG aufgenommen und über eine mögliche Insolvenz gesprochen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Mario Nawroth erklärte am Dienstag in einer Pressemitteilung, dass er sich inzwischen ein umfassendes Bild des Unternehmens verschafft habe. „Derzeit ermitteln mein Team und ich die Vermögensverhältnisse.“ Eine enge Abstimmung finde mit dem Landkreis, der Arbeitsagentur und weiteren Behörden sowie den Banken statt.

Update am 08.10.2019 um 14.40 Uhr - 

Sie dient der Lebensmittelsicherheit und der Produktqualität und soll Risiken minimieren: die sogenannte IFS-Zertifizierung im Bereich Food. Auch Wilke Wurstwaren hatte ein solches Zertifikat, zuletzt ausgestellt im August 2018. Auf „Höherem Niveau“ würden die Anforderungen erfüllt, lautete demnach das Ergebnis der Prüfer.

Die Anforderungen der Food-Zertifizierung gelten als besonders streng: Vorgeschrieben sind demnach unter anderem Reinigungs- und Desinfektionspläne, die auch bewertet werden müssen; die Personalhygiene muss regelmäßig überprüft werden; Abfälle müssen „so rasch wie möglich“ aus Räumen entfernt werden, in denen mit Lebensmitteln gearbeitet wird und „Abfallsammelräume“ müssen so konzipiert sein, dass „sie sauber sind und die Anziehung für Schädlinge minimiert wird“. 

Wilke Wurstwaren: Firma mit Siegel ausgezeichnet

Auch ist vorgeschrieben, dass sich an Wänden, Mauern und Decken kein Schmutz ansammeln kann, sensible Produktionsbereiche müssen so „betrieben und überwacht“ werden, dass die Produktsicherheit nicht gefährdet ist. In allen Bereichen – ob Hygiene, Produktion, Transport, Außenbereich, Lagerung oder Verpackung – gibt es Vorgaben, die von Auditoren für eine Zertifizierung bewertet werden. 

Für Wilke Wurstwaren hat das die DQS CFS GmbH aus Frankfurt übernommen. Laut Zertifikat, das bis vor kurzem auf der Internetseite von Wilke zu finden war, jetzt aber nicht mehr zugänglich ist, gab es im Juli 2018 ein Audit, also eine Kontrolle. Angekündigt, wie es auf dem Dokument heißt.

Wilke hat mit "Höherem Niveau" abgeschnitten

Das Ergebnis lässt aufhorchen: Auf „Höherem Niveau“ hat Wilke demnach abgeschnitten. Das nächste Audit hätte, um das Zertifikat zu bestätigen, zwischen Mai und Juli diesen Jahres stattfinden müssen. Es ist unwahrscheinlich, dass es dazu gekommen ist. Am 26. August 2019 lief das Zertifikat aus.

Wie ist es jedoch möglich, dass der Betrieb im Juli 2018 eine strenge Kontrolle bestanden hat und nur knapp zwei Monate später Fotos von schimmeligen Würsten dort aufgenommen wurden? Der Geschäftsführer der Dachorganisation IFS Management, Stephan Tromp, sagte gegenüber welt.de, dass man nun prüfen müsse, ob Wilke eine „große Show veranstaltet und womöglich mit krimineller Energie getäuscht hat oder ob ein Auditorenversagen vorliegt“.

Besuch bei Wilke Wurstwaren nur an einem Tag

Auffällig ist, dass das Audit bei Wilke an nur einem Tag stattfand – in einem Betrieb mit 25.000 Quadratmetern Betriebsfläche, einer Produktion auf drei Etagen und gut 200 Mitarbeitern. Die DQS CFS GmbH aus Frankfurt wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht äußern. Offenbar ist die Schweigepflicht ein Teil des Zertifizierungsvertrags.

Der Lebensmitteltechnologe aus der Fleischwirtschaft, der uns bereits die Fotos des Gammelfleischs zugespielt hatte, vermutet, dass der Betrieb „wochenlang im Voraus auf das Audit vorbereitet“ wurde. „Sobald es vorbei war, wurde wieder gearbeitet wie zuvor.“ Mit der Mitarbeiterin, die bei Wilke für die Qualitätssicherung zuständig war, habe er im September 2018 mehrfach über die hygienischen Bedingungen gesprochen. „Sie hatte jedoch extrem Angst davor, ihren Job zu verlieren und hatte deswegen nichts dagegen unternommen.“

Wilke Wurstwaren: Unternehmen stand schon 2017 kurz vor dem Aus

Update am 08.10.2019 um 13.35 Uhr - Der am Mittwoch vom Veterinäramt geschlossene Wursthersteller Wilke aus Berndorf stand bereits 2017 kurz vor dem wirtschaftlichen Aus: Das Unternehmen rutschte damals in die roten Zahlen, Wirtschaftsprüfer mahnten, dass die Fortführung der Gesellschaft gefährdet sei.

2017 hatte eine regelrechte Insolvenzwelle aufgrund gestiegener Rohstoffpreise die Wurstindustrie überrollt. Auch Wilke hatte mit einem Jahresfehlbetrag von 2,6 Millionen Euro zu kämpfen. Sinkende Umsatzerlöse und steigende Beschaffungskosten führten zu einem Rückgang des Rohertrags um mehr als 20 Prozent. Außerdem hatte das Unternehmen knapp 2,2 Millionen in die Modernisierung der Produktion und Instandhaltungen investiert. Das ist dem Anfang Januar dieses Jahres im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss zu entnehmen.

Wechselhafte Zeiten für Wilke bereits vor Wurst-Rückruf

In den vergangenen 14 Jahren hatte Wilke wirtschaftlich wechselhafte Zeiten erlebt: 2005 hatte der niedersächsische Unternehmer Engelbert Stukenborg (Düringer Fleischkontor) nach einer schwierigen Sanierungsphase die Mehrheitsanteile des einstigen Berndorfer Familienbetriebs übernommen. Mit Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen beim Personal wurde Wilke zum zuverlässigen Ertragsbringer der Stukenborg Holding – bis 2014 die Konzernmutter selbst in die roten Zahlen rutschte. 

Die Holding trennte sich von ihrer gewinnbringenden Beteiligung. Wilke-Geschäftsführer Klaus Rohloff übernahm im Rahmen eines Management-Buy-Outs die Mehrheitsanteile, seitdem ist Wilke wieder ein eigenständiges Unternehmen.

Wirtschaftlich geriet der Berndorfer Wursthersteller aber erneut in schwierige Gewässer: 2015 und 2016 gingen die Umsätze zurück. Tiefpunkt war das Krisenjahr 2017. Mit neuen Produkten und den Marken „Wilke My Taste“, „Enjoy Foods“ und „Rohloff-Fleischmanufaktur“ versuchte das Unternehmen, neue Märkte zu erschließen.

Offensichtlich gelang es Wilke 2018, den Fortbestand zu sichern. Genaue Zahlen gibt es nicht: Der Jahresabschluss 2018 liegt noch nicht vor. Die Branche war aber weiter von Konzentration und einem Verdrängungswettbewerb geprägt. 

Listerien auch in Niedersachsen nachgewiesen

Update am 08.10.2019 um 11.07 Uhr - Die Spur der keimbelasteten Wurstwaren aus Nordhessen führt jetzt möglicherweise auch nach Niedersachsen. Das Landesgesundheitsamt in Hannover bestätigte am Dienstag auf Anfrage drei Fälle von Listerien-Erkrankungen – möglicherweise durch belastete Waren. 

Zwei der Infizierten sind inzwischen gestorben, ein weiterer schwer erkrankt. Bei allen drei wurden Listerien nachgewiesen, die mit dem Listerien-Erreger aus dem Betrieb in Nordhessen „genetisch eng verwandt“ sind. Die Betroffenen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. 

Bei einem Verstorbenen wurde festgestellt, dass er nicht an der Listerien-Erkrankung verstorben ist. Bei einem zweiten Verstorbenen ist nicht sicher, ob die Erkrankung Ursache für den Tod war. Zwei der drei Verdachtsfälle traten bereits im vergangenen Jahr auf. Alle drei Fälle wurden vom Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut abgegeben.

Mitarbeiter reagieren geschockt auf Wilke-Schließung

Update am 08.10.2019 um 10.05 Uhr - Wie es nun weitergeht bei Wilke Wurstwaren? Das wissen die Mitarbeiter auch nach einer Versammlung nicht, zu der sie am Montagnachmittag gerufen worden waren.

Rechtsanwalt Dr. Mario Nawroth, der vom Amtsgericht Korbach zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden war, informierte die Frauen und Männer. Die Presse durfte an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Im Anschluss daran berichteten jedoch einige Mitarbeiter über das Gesagte.

Wilke Wurstwaren: Vorkommnisse seien "übertrieben"

Dass keine Kündigungen ausgesprochen worden seien, sagte Muammer Mulcar. 26 Jahre lang habe er für Wilke gearbeitet. Probleme habe es immer mal gegeben, sagte er. „Aber die gibt es überall.“ Die Vorkommnisse seien „übertrieben“ worden. Als Beispiel nannte er ein Foto, das Würste zeigt, die auf dem Boden liegen. Diese Würste seien weggeworfen worden. Schimmel an Produkten habe es auch mal gegeben. Sei es „leichter“ Schimmel gewesen, sei er abgespritzt worden, „das ist normal“.

Wilke-Mitarbeiter Muammer Mulcar im Gespräch mit Pressevertretern

Die hygienischen Bedingungen seien in Ordnung gewesen, „wir haben uns immer Mühe gegeben“, betonte der Berndorfer. Warum der Fotograf keine Anzeige erstattet habe, fragte er. Er vermutet einen früheren Mitarbeiter hinter den Aufnahmen, der sich geärgert habe.

Wurst-Rückruf bei Wilke: Mitarbeiter von Schließung überrascht

Als vergangene Woche bekannt wurde, dass der Betrieb geschlossen werden müsse, sei er überrascht und geschockt gewesen. Von Listerien wisse er nichts. „Wir haben einfach nur unseren Job gemacht.“

Das Gehalt sei in der Zeit, in der er dort gearbeitet habe, stets pünktlich gezahlt worden, sagte Mulcar. Der Lohn für September sei aber noch nicht da, das liege jedoch an der Bank. Wie es insgesamt weitergeht, weiß er nicht. Es sei gesagt worden, dass die Mitarbeiter nun abwarten müssten.

Eine Mitarbeiterin, die weinend die Versammlung verließ, sagte: „Ich bin menschlich total enttäuscht.“ Die Stimmung sei schlecht gewesen, sagte ein anderer Mitarbeiter. „Hier sagen 130 Jahre Tschüss“, sagte eine Mitarbeiterin, die auf sich und drei weitere Kollegen wies. So lange hätten die vier insgesamt bei Wilke Wurstwaren gearbeitet.

Wilke-Geschäftsführer Klaus Rohloff nicht bei Mitarbeiter-Versammlung

Was Insolvenzverwalter Nawroth noch gesagt habe, dazu wollten sich die befragten Mitarbeiter nicht äußern. „Das Übliche“ und „Was Insolvenzverwalter eben so sagen“ war mehrfach zu hören. Namentlich wollten sich die meisten Mitarbeiter nicht gegenüber der Presse äußern. Was jedoch mehrere Personen bestätigten: Wilke-Geschäftsführer Klaus Rohloff selbst nahm nicht an der Versammlung teil.

Vor Ort war auch Karl Mauritz aus Adorf. Vor fünf Wochen, so erzählte er, hatte er im Wilke-Werksverkauf einen Schinkenspeck gekauft, haltbar laut Etikett bis 15. Oktober 2019. Allerdings: Beim Blick darauf habe er jetzt festgestellt, dass der Schinken die Kennzeichnung „DE EV 203 EG“ trägt, auf die Verbraucher besonders achten sollen.

Deshalb setzte er sich ins Auto, fuhr nach Berndorf – und wollte sein Geld zurück, wie er berichtete. Glück hatte er jedoch nicht, auch er stand vor verschlossenen Türen, er traf keinen Mitarbeiter an. „Seit über zehn Jahren bin ich Kunde von Wilke“, sagte Mauritz, „und bisher ist nie etwas gewesen.“

Firma Wilke lieferte auch an Ikea - Ministerium veröffentlicht Produkt-Liste

Update am 07.10.2019 um 15.30 Uhr -  Nach derzeitigen Erkenntnissen dürfte die Firma Wilke ihrer Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollständig nachgekommen sein. Dies verkündete das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einer Pressemitteilung.

Ministerin Priska Hinz kündigt in der Mitteilung an, dass der Fall analysiert wird un die "erforderlichen Konsequenzen" gezogen werden. "Um vergleichbare Fälle in Zukunft möglichst verhindern zu können, werden wir unter anderem die Fachaufsicht bei der Lebensmittelüberwachung stärken. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits im Landtag eingebracht", heißt es in der Pressemitteilung

Wurst-Rückruf bei Wilke: Liste der genauen Produkte soll veröffentlicht werden

Nach bisherigen Erkenntnissen sind alle Eigenmarken der Firma mit dem Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG" sowie folgende Marken und Handelsnamen, die das Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG" tragen, betroffen:

  • Haus am Eichfeld 
  • Metro Chef 
  • Service Bund „Servisa“ 
  • CASA 
  • Pickosta 
  • Sander Gourmet 
  • Rohloff Manufaktur 
  • Schnittpunkt 
  • Korbach 
  • ARO 
  • Findt 
  • Domino 
  • Wilke

Die Kundenliste beinhaltet keine Einzelverkaufsstellen, da diese nach Aussage der Firma nicht bekannt sind. Dies sei keine Besonderheit, da zwischen der Herstellerfirma und dem Einzelhandel mehrere Vertriebsstufen zwischengeschaltet seien. Eine Liste der Produkte der Firma Wilke liegt dem Landkreis seit heute vor und soll auf www.lebensmittelwarnung.de veröffentlicht werden

Zudem wurden viele Wilke-Produkte an Wursttheken in Supermärkten verkauft. Das Ministerium rät Kunden, sich sicherheitshalber zu erkundigen, ob in den jeweiligen Verkaufsstellen nachzufragen, ob dort Wilke-Produkte verkauft wurden.

Wilke-Rückruf: Nicht ans Kreiskrankenhaus geliefert

Update am 07.10.2019 um 14 Uhr - Im regionalen Kreiskrankenhaus Frankenberg wurden „in den letzten Wochen und Monaten keine Produkte der Firma Wilke verwendet“, heißt es auf Anfrage. Der Lieferant habe bestätigt, dass die

gelieferten Fleisch- und Wurstwaren nicht von Wilke stammen. „In der Vergangenheit haben wir hin und wieder Wilke-Produkte verwendet, wenn unser Hauptlieferant das Gewünschte nicht vorrätig hatte oder wir eine kurzfristige Nachbestellung benötigten.“

Firma Wilke entschuldigt sich bei Kunden

Update am 07.10.2019 um 13.00 Uhr - Bereits am 2. Oktober hat Wilke Wurstwaren eine Pressemitteilung veröffentlicht – die offenbar aber nur an Kunden geschickt wurde, nicht an Pressevertreter. Dieses Schreiben ist jetzt aufgetaucht. Der letzte Satz darin: „Die Firma Wilke entschuldigt sich bei allen Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten.“ Weitere Worte des Bedauerns finden sich nicht.

In dem einseitigen Brief beschreibt Wilke, dass „aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes“ die Produkte zurückgerufen werden. „Betroffen sind alle im Unternehmen hergestellten Erzeugnisse mit sämtlichen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdaten.“

Listerien in Wurst: Kompletter Rückruf von der Firma Wilke

Nicht nur Verpackungen seien betroffen, sondern auch Produkte in „loser Form“, die über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft worden seien.

Zum Grund des Rückrufs schreibt Wilke, „dass nach dem Stand der behördlichen Ermittlungen ein Zusammenhang von Produkten der Fa. Wilke mit einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch bestehen soll“. Daher habe man sich „vorsorglich“ für einen „kompletten Rückruf“ der Produkte entschieden. Zudem gibt es in der Mitteilung Informationen über die Erkrankung Listeriose und die Symptome.

Wilke-Rückruf: Wurst wurde auch bei Ikea verkauft

Unter anderem ist auch Ikea von dem Rückruf betroffen, berichtet hessenschau.de. Die Wurst wurde in die bundesweit 53 Ikea-Restaurants geliefert, darunter unter anderem in die Möbelhäuser in Frankfurt und Kassel. Laut einer Pressesprecherin von Ikea wurde das Unternehmen am vergangenen Mittwoch vom Großhändler über die Probleme mit der Wurst informiert.

Daraufhin seien alle Produkte aus den Ikea-Filialen zurückgerufen worden. Krankheitsfälle der Kunden seien bisher nicht bekannt. 

Listerien in Wurst: Niederländische Firma ruft 300 Tonnen Fleisch zurück

Update am 06.10.2019 um 20.50 Uhr: Nicht nur eine deutsche Firma hat dramatische Probleme mit Listerien. Auch der niederländische Wurstwarenbetrieb Offerman hat nach eigenen Angaben die gesamte Produktion einer betroffenen Fabrik aus dem Handel genommen. Der Grund: Gesundheitsbehörden hatten herausgefunden, dass drei Menschen durch Listerien in den Produkten von Offerman verstorben waren, eine weitere Frau soll aufgrunddessen eine Fehlgeburt erlitten haben. Die Vorfälle ereigneten sich alle in den vergangenen zwei Jahren. Nachdem die Keime entdeckt worden waren, wurde die Produktion am Donnerstag stillgelegt.

Wie das niederländische Gesundheitsministerium bekanntgab, ruft die Firma jetzt insgesamt 300 Tonnen Fleisch zurück. Es handelt sich dabei um alle Wurstwaren, die in der Fabrik in Aalsmeer produziert wurden. Die betroffenen Produkten wurden laut der Aufsichtsbehörde für Nahrungsmittel aber nicht nach Deutschland exportiert. 

Trotz bestätigter Todesfälle und Rückruf - Landkreis kündigt umfängliche Aufklärung an

Update am 06.10.2019 um 14.43 Uhr - Die Kreisverwaltung des Landkreises Waldeck-Frankenberg sichert den ermittelnden Behörden im Fall des Wurstherstellers Wilke aus Berndorf „seine volle Kooperation“ zu, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Zugleich kündigte er an, „den Vorgang auch intern ohne Wenn und Aber aufzuarbeiten“.

Listerien-Skandal: Landkreis Waldeck-Frankenberg sichert umfängliche Aufklärung zu

„Wir bedauern die Vorfälle außerordentlich. Die Kreisverwaltung und die ganze Region sind bestürzt und geschockt, dass Menschen durch die Zustände in einer in unserem Kreis ansässigen Firma zu Schaden gekommen sein sollen“, betonte Kubat. Es werde mit „Hochdruck an der Aufklärung der Vorgänge“ gearbeitet. „Niemand hat ein größeres Interesse an umfänglichen Aufklärung als der Landkreis.“ Den Fragen der Öffentlichkeit werde gewissenhaft nachgegangen.

Update am 04.10.2019 um 20.53 Uhr - Dass der Landkreis zu spät eingeschritten sei, streitet Dr. Reinhard Kubat, Landrat Waldeck-Frankenberg, ab. Vorher habe es „keine Kausalkette, keine Beweise“ gegeben. Lediglich „allgemeine Hinweise“ seien im März und Mai gekommen. Erst am 24. September hätten die Ergebnisse des Robert-Koch-Instituts vorgelegen. Als am Dienstag die Schließung verfügt worden sei, habe er sich auf die Informationen der Taskforce und des RKI stützen können.

Veterinäramt hatte wegen Hygienemängel bereits ein Bußgeld auferlegt

Dass man Schäden gesehen habe, bestätigt Amtsveterinär Dr. Martin Rintelen. Das sei angesprochen worden, Wilke hätte die Mängel in Ordnung bringen müssen. Es habe bereits sogar ein Bußgeldverfahren deshalb gegeben.

Update am 04.10.2019 um 20.15 Uhr: Das Universitätsklinikum Köln hat nach dem Rückruf von Wurstwaren durch den hessischen Hersteller Wilke einen Fehler bei einer Tochtergesellschaft eingeräumt. „Aufgrund der Kurzfristigkeit und des Zeitpunktes der Information ist es im Zusammenhang mit unserer Tochtergesellschaft UniReha zu einem Fehler innerhalb der Speisenversorgung gekommen, so dass einigen Reha-Patienten dennoch Wurstware der Firma Wilke angeboten worden ist“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Uniklinik Köln am Freitagabend.

Für Nachfragen, zu welchen Zeitpunkt und wie viele Reha-Patienten vom Rückruf betroffene Wurst des Herstellers Wilke noch erhalten haben, war die Uniklinik Köln am Freitagabend zunächst nicht zu erreichen.

In der Erklärung der Uniklinik Köln heißt es, sie sei am Mittwoch (2. Oktober) um 17.45 Uhr durch ihren Fleisch-Zulieferer per E-Mail informiert worden, dass sämtliche Produkte des Wurstherstellers der Firma Wilke zurückgerufen werden. „Daraufhin haben wir unverzüglich damit begonnen, die Verteilung der Wurstwaren zu stoppen“, erläuterte der Sprecher des Universitätsklinikum Köln weiter. „Die in den Medien genannten, vermutlich kontaminierten Wurstsorten des Herstellers sind in der Uniklinik Köln jedoch nicht verwendet worden“, betonte er.

Update am 04.10.2019 um 14.30 Uhr - Das Regierungspräsidium Darmstadt, wo die Taskforce Lebensmittelsicherheit angesiedelt ist, teilt auf Nachfrage mit, dass der Bericht der Untersuchungsgruppe nicht – wie manche Medien melden – bereits am Freitag fertig ist. Das sagt Pressesprecher Christoph Süß. „Der Bericht wird derzeit noch erstellt.“ 

Bericht der Taskforce Lebensmittelsicherheit nicht für Öffentlichkeit bestimmt

Anschließend werde er dem Landkreis Waldeck-Frankenberg zur Verfügung gestellt, zur Veröffentlichung sei er nicht gedacht.

Die Sondereinheit „Lebensmittelsicherheit“ wurde 2006 vom hessischen Verbraucherschutzministerium beim Regierungspräsidium Darmstadt eingerichtet. Gibt es „lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche“ in Hessen, unterstützt die Einheit vor Ort bei der Suche nach den Ursachen. 

Derzeit ist die Taskforce noch in Berndorf im Einsatz. Der Bericht wird bald erstellt und dann dem Landkreis als zuständige Behörde übergeben. Der Untersuchungsgruppe gehören drei Lebensmittelchemiker an, drei Amtstierärzte, ein Lebensmittelkontrolleur, ein Jurist, zwei Verwaltungsbeamte, ein IT-Experte und ein technischer Sachverständiger.

Eine Produktliste wird es vorerst nicht geben - Händlerliste wird ausgewertet

Genauere Infos, wo Produkte von Wilke verkauft und ausgegeben wurden, könne es derzeit noch nicht geben. Das Unternehmen habe zwar „sofort“ eine Liste mit Beziehern ausgegeben, die umfasse jedoch Tausende Namen. Derzeit werde die Liste ausgewertet. Jede einzelne Verkaufsstelle sei darauf zudem nicht zu finden, sondern hauptsächlich Zwischenhändler. Wann die Auswertung fertig ist und veröffentlicht werden kann, sei derzeit noch nicht klar. Daher sei vorerst über www.lebensmittelwarnung.de eine allgemeine Warnung ausgesprochen worden.

Update am 04.10.2019 um 14.17 Uhr - Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat aufgedeckt: Am Tag der Deutschen Einheit wurden Wilke-Produkte noch in der Reha-Einrichtung “UniReha“ des Universitätsklinikums Köln zum Frühstück ausgegeben.

Dies mache laut Foodwatch noch einmal deutlich, wie wenig ausreichend die Verbraucherinformationen bisher waren. Auch in früheren Pressemitteilungen der Verbraucherorganisation wurde bereits scharf kritisiert, dass die Behörden bisher keine Liste der zurückgerufenen Produkte herausgegeben haben.

Listerien in Wurst: Fehlende Produktliste laut Foodwatch "ein handfester Skandal"

Für die Essensausgabe am Kölner Uniklinikum ist laut Foodwatch ein Caterer zuständig, jetzt müsse geklärt werden, wann dieser die Informationen über den Rückruf erhalten habe, fordert die Organisation.  Foodwatch verwist in seiner Pressemitteilung darauf, dass eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Lieferwegen lebensmittelrechtlich vorgeschrieben ist. Dass zwei Tage nach Schließung der Produktion bei Wilke das Unternehmen und die zuständigen Behörden noch immer keine Listen der Verkaufsstellen und der vom Rückruf betroffenen Produkte und Marken vorlegen könnten, ist laut foodwatch “ein handfester Skandal“.

Update vom 04.10.2019 um 13.13 Uhr -  Die Waldecker Firma Wilke Wurstwaren hat am Freitag  vorläufige Insolvenz beantragt, wie der Direktor des Korbacher Amtsgerichtes Karl-Heinz Kahlhöfer-Köchling bestätigt.

Ungenügende Informationen gegenüber den Verbrauchern und einen schlechten Umgang mit dem Lebensmittelskandal wirft die Verbraucherorganisation Foodwatch dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und dem Wurstproduzenten Wilke vor. 

Verbraucherorganisation Foodwatsch mit heftiger Kritik an den Behörden

„Die Behörden müssen alles dafür tun, um die Menschen rechtzeitig vor dem Verzehr potenziell gefährlicher Lebensmittel zu warnen - genau das haben der Landkreis und das Unternehmen versäumt“, kritisiert Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker in einer Pressemitteilung. 

Immer noch fehlt eine Liste der zurückgerufenen Produkte

Doch immer noch gebe es keine Angaben zu den Verkaufsstellen der zurückgerufenen Produkte und eine Liste der betroffenen Produkte. Das Unternehmen Wilke soll nicht nur abgepackte Produkte unter eigenem Namen vertrieben haben, sondern auch lose Ware, die in Wursttheken verkauft werde. Zudem produzierte Wilke offenbar auch für Handelsmarken. Dazu gehöre die Eigenmarke Aro des Großkonzerns Metro. Das bestätigte das Personal in einem Berliner Metro-Markt gegenüber Foodwatch. 

Unklar sei, ob auch andere von Wilke selbst vertriebene Marken betroffen sind. Aus Sicht von foodwatch reiche es daher nicht aus, ausschließlich Wilke als Hersteller der zurückgerufenen Produkte sowie das Identitätskennzeichen zu benennen. Foodwatch fordert nun Transparenz vom Landkreis Waldeck-Frankenberg über die Abläufe vor der Betriebsschließung.

Update vom 04.10.2019 um 11.20 Uhr -

Im  Fall Wilke Wurstwaren beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft Kassel. Es wurde ein Ermittlunsgverfahren wegen des Anfangsverdachtes  auf fahrlässige Tötung eingeleitet. 

Auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg beschäftigt sich am Freitag weiter mit dem Fall: Im Kreishaus in Korbach findet vormittags eine Krisensitzung statt, nachmittags kommen Kreisausschuss und Ältestenrat zu Sondersitzungen zusammen. Das Unternehmen selbst hat auch zwei Tage nach der Schließung trotz mehrfacher Nachfrage noch keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgegeben. 

Schimmel und Dreck: Hygienische Zustände bei Wilke Wurstwaren schon lange unhaltbar

Schimmel auch an Wasserleitungen und direkt daneben lagert die Wurst.

Die hygienischen Zustände bei Wurst Wilke sollen schon über einen langen Zeitraum unhaltbar gewesen sein. Unserer Zeitung liegen Fotos aus der Produktion vor, die im September 2018 aufgenommen wurden. 

Sie zeigen verschimmelte halbierte Fleischkäse im Kühlraum vor den Schneidemaschinen, Schimmel auf den Deckeln frisch eingelegten Schinkenfleisches vor dem Kochen sowie Salami im weißen Darm, auf der sich schwarzer und grüner Schimmel über Wochen bildete. Dokumentiert wurde ebenfalls starker Schimmelbewuchs auf Rohwurst. Lesen Sie auch: Oma verarbeitet Leiche zu Wurst - aber der Horror kommt erst noch, wie extratipp.com* berichtet.

Verschimmelte Wurst wurde bei Wilke Wurstwaren laut eines Informanten einfach abgewaschen und verkauft.

Fertige Ware lagert neben verschimmelten und tropfenden Wasserleitungsrohren, aus dem Darm geschälter Kochschinken auf verdreckten Rauchwägen vor dem Schneiden und Verpacken. Vor der Reifekammer herunter gefallene Wurst liegt auf dem Boden. Verschimmelten Rohwürstchen hängen in einer offenbar wochenlang nicht gereinigten Rauchkammer.

Verschimmelter Fleischkäse wurde abgewaschen und nachgebacken

Verschimmelter Fleischkäse, etwa vier Wochen alt, soll mit dem Wasserschlauch abgespritzt worden sein, dann noch einmal nachgebacken, verpackt und verkauft, berichtet ein der Redaktion bekannter Informant unserer Zeitung, der nicht mit Namen genannt werden möchte: „Da ich regelmäßig in diesen Betrieb gekommen bin, weiß ich, dass die Zustände dort schon eine lange Zeit so gewesen sind“, sagt er. Trotz seiner Hinweise habe die Geschäfts- und Betriebsleitung damals nicht reagiert und ihm sogar gedroht, die Zusammenarbeit mit seiner Firma zu beenden.

Dreck, Schimmel, feuchte Wände - so wurde die Wurst bei Wilke produziert

Listerien in Wurst: Hersteller muss nach Todesfällen schließen - Genaue Produktliste noch nicht bekannt

Update am 03.10.2019 um 11.30 Uhr - Auch am Donnerstag ist noch nicht klar, wie Verbraucher die Produkte von Wilke Wurstwaren genau identifizieren können. 

Auf dem Portal des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lebendmittelwarnung.de wird vor den Wilke-Produkten mit dem Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ gewarnt. Allerdings wurden die Waren der Firma Wilke auch in loser Form an Wurtsttheken sowie in Krankenhausküchen und  Kantinen in den Verkehr gebracht. 

Update am 03.10.2019 um 10.55 Uhr: Nach den beiden Todesfällen und mehreren Erkrankungen durch Listerien-Keime in Produkten der Firma Wilke Wurstwaren hat die Verbraucherorganisation foodwatch Betroffene aufgerufen, sich zu melden.

Dies gelte für Erkrankte ebenso wie für Angehörige, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Die Organisation wolle prüfen, ob in dem konkreten Fall Unternehmen und Behörden auch wirklich alles getan hätten, „um Erkrankungen zu vermeiden und die Menschen zu warnen“, hieß es.

Betroffene des aktuellen Listerienfalls und deren Angehörige können sich bei foodwatch melden per E-Mail an mr@foodwatch.de oder telefonisch unter 0174/3751689.

Hersteller muss nach Todesfällen schließen - Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Update am 02.10.2019 um 18 Uhr - Wilke Wurstwaren selbst äußerte sich – trotz mehrfacher Anfragen unserer Zeitung – am Mittwoch nicht zu den Todesfällen und zum Aus der Produktion. Zunächst war eine Pressemitteilung im Tagesverlauf angekündigt worden, bisher liegt diese aber noch nicht vor.

Bis zum frühen Abend waren die „Taskforce“ des Kasseler Regierungspräsidiums und Veterinäramtsleiter Dr. Martin Rintelen in Berndorf, um im Betrieb weitere Untersuchungen vorzunehmen. Neue Erkenntnisse habe es aber nicht gegeben, sagte Rintelen am Abend. Er bekräftigte noch einmal: „Bis auf Weiteres bleibt der Betrieb geschlossen.“ Die Kripo ermittelt jetzt auch im Fall Wilke. 

Man gehe „Hand in Hand mit den Behörden“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat bereits am Vormittag mit Verweis auf Land und Regierungspräsidium.

Belastete Wurst auch in "Dr. Oetker"-Produkten?

Unklar ist derzeit noch, wohin die Produkte von Wilke Wurstwaren geliefert und für welche Produkte sie verwendet wurden. Ronny Marquardt, stellvertretende Geschäftsführerin von Wilke, sagte vergangenes Jahr gegenüber der Waldeckischen Landeszeitung, dass auch das Bielefelder Unternehmen Dr. Oetker mit Pizzasalami beliefert werde. Bereits seit 2014 habe man keine Geschäftsbeziehung mehr, teilte Dr. Oetker laut dpa mit.

Update am 02.10.2019 um 17.40 Uhr - Wie der Kreis Waldeck-Frankenberg berichtet, wurden die Informationen zum Fall Wilke Wurstwaren an die Kasseler Staatsanwaltschaft weitergegeben. „Mangels bislang vorliegender näherer Informationen können derzeit keine Auskünfte gegeben werden“, heißt es dort auf unsere Nachfrage.

Das Medieninteresse ist riesig: Hier eine Kamerafrau von RTL vor dem Firmengelände von Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf.

Derzeit wird damit gerechnet, dass es am Freitag oder Anfang kommender Woche Infos gibt, ob ein Verfahren gegen Wilke Wurstwaren eingeleitet wird.

Update am 02.10.2019 um 15.02 Uhr - Insgesamt seien Listerien schwer greifbar, sagt Dr. Martin Rintelen. Dennoch konnte das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin herausfinden, woher die Keime von Proben stammten. Seit 2014 habe es immer wieder Listerien-Fälle in Deutschland gegeben, erklärte Rintelen.

Probleme mit Listerien bei Wilke Wurstwaren bereits seit 2018

 „Seit 2018 sind verstärkt Fälle aufgetreten, die Wilke zugeschrieben werden.“ Das Institut habe Proben und Daten gesammelt und „durch Patientenbefragungen den Kreis enger ziehen können“, welche Produkte von Erkrankten gegessen wurden. 

Bei welchen Firmen die Produkte der Firma Wilke genau weiterverarbeitet und welche Betriebe beliefert wurden, ist noch nicht öffentlich bekannt. Dazu soll es im Laufe des Tages einen offiziellen Rückruf geben.

Todesfälle können fast zu 100 Prozent auf Wilke-Produkte zurückgeführt werden

Eine Untersuchung der Genomzusammensetzung führte schließlich zu dem Ergebnis, dass die beiden Todesfälle zu 99,6 Prozent auf Produkte aus der Wurstfabrik in Berndorf zurückzuführen sind. Das RKI selbst gibt auf Nachfrage der Zeitung keine Auskunft zu einzelnen Untersuchungen

Update am 02.10.2019 um 14.20 Uhr -

Die „Taskforce“ des Regierungspräsidiums in Kassel war auch am Mittwoch noch einmal im Betrieb bei Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf, ebenso Veterinärmedizinär Dr. Martin Rintelen und Fritz Schäfer, beim Landkreis Dezernent für Verbraucherschutz. 

Beide haben auch der Geschäftsführung von Wilke die Verfügung überreicht, nach der der Betrieb sofort geschlossen werden muss. „Das war mein schwerster Gang als Kommunalpolitiker“, sagte Schäfer mit Blick auf die rund 200 Mitarbeiter. Die Agentur für Arbeit sei informiert worden, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. 

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht ist unklar

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist noch völlig unklar. Dennoch habe es keine andere Option gegeben, so Kubat. „Wir haben eine Verpflichtung gegenüber den Mitbürgern.“

Ein Bild aus früheren Zeiten: Mitarbeiter der Firma Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf beim Schneiden der Salami.

Gestartet wurde deshalb auch umgehend eine Rückrufaktion für alle Produkte ausgenommen Vollkonserven. In die ganze Welt liefert Wilke Produkte, vor allem in Gastronomie und Großküchen, unter anderem auch von Krankenhäusern und Altenheimen. Ob der Betrieb weiterbestehen könne, „kann ich nicht beurteilen“, so Martin Rintelen.

Update am 02.10.2019 um 13.30 Uhr -

Rund 200 Mitarbeiter sind von dem vorläufigen Aus von Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf (Landkreis Waldeck-Frankenberg) betroffen. Ob der Betrieb dort irgendwann weitergehen kann, ist derzeit noch völlig offen.

„Wiederholt“ sei man mit der Situation konfrontiert worden, dass Verunreinigungen in Wilke-Produkten gefunden wurden, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Eine genaue Untersuchung der Genomzusammensetzung der Listerien nach den Todesfällen hat dann nahezu 100-prozentige Klarheit gebracht.

Video: Wurstfirma Wilke muss schließen - Bakterien in Salami

Wurstfirma wird seit Jahresanfang vom Veterinäramt begleitet

Seit etwa Jahresanfang begleite man den Betrieb bereits, sagte Veterinär Dr. Martin Rintelen. Die beiden Listerien-Befunde aus Hamburg und Baden-Württemberg waren der Auslöser. Unter anderem habe es daraufhin eine Grundreinigung des gesamten Betriebs gegeben.

Quelle der Verunreinigung noch nicht gefunden

Dennoch sei es bisher nicht gelungen, die Quelle der Verunreinigung zu finden. Möglicherweise seien die fünf großen Schneide-Maschinen der Auslöser. Dort – einem sogenannten Hochrisiko-Bereich – seien Listerien gefunden worden. Das sei auch ausschlaggebend gewesen für die Schließung, so Rintelen. 

In geschnittenen Produkten wie Pizzasalami und Brühwurstaufschnitt wurden Listerien nachgewiesen. Diese Form von Keimen dürften durchaus in Lebensmitteln vorkommen, allerdings nur bis zu einem gewissen Grenzwert. Und: In einem sensiblen Bereich wie im Umfeld von Schneide-Maschinen dürften überhaupt keine Listerien nachgewiesen werden, betonte Rintelen.

Möglicherweise ist Wasser die Ursache für die Listerien

Möglich sei auch, dass die Keime durch Wasser in die Produkte gelangt seien. Der Brunnen, aus dem Wilke sein Wasser für die Produktion bezieht, sei nicht verunreinigt, sagte der Veterinär. Wasser sei bei Listerien generell ein Problem. Bei Wilke tropfe es beispielsweise aus Rohrleitungen von der Decke, auf dem Boden hätten sich Pfützen gebildet. 

Mitarbeiter der Reinigungsfirma werden untersucht

Es sei schwer, einen solchen Betrieb komplett trocken zu bekommen, so Rintelen. Die Reinigung habe Anfang diesen Jahres eine neue Fremdfirma für Wilke übernommen. Da auch Menschen Träger von Listerien sein können, seien auch alle Mitarbeiter untersucht worden. Festgestellt wurde dabei aber nichts, betonte der Amtsleiter.

Das sind Listerien - Symptome sind Fieber, Erbrechen und Durchfall

Listerien seien nahezu überall zu finden, sagt Landkreis-Veterinär Dr. Martin Rintelen. „Träger kann auch der Mensch sein“. Gefunden werden sie laut Informationsseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht nur auf tierischen Lebensmitteln wie Geflügel und Fleisch sowie in Milch und Milchprodukten. Auch auf pflanzlichen Lebensmitteln wie vorgeschnittenen Salaten wurden sie bereits festgestellt. 

Laut RKI können Listerien nicht nur auf Lebensmitteln gefunden werden, sondern auch in lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Die Inkubationszeit einer Listeriose liegt zwischen wenigen Stunden bis zu sechs Tagen. Gefährdet sind Personen wie Ältere, Kranke und Schwangere. Symptome einer Erkrankung sind unter anderem Fieber, Erbrechen und Durchfall. Listerien können beispielsweise zu einer Blutvergiftung führen.

Erstmeldung vom 02.10.2019 um 12.09 Uhr - Das Veterinäramt des Landkreises hat Wilke Wurstwaren in Berndorf geschlossen. Der Grund: Zwei Todesfälle in Hessen sind laut Untersuchungen auf Produkte des Betriebs zurückzuführen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe einen „unmittelbaren Zusammenhang“ hergestellt, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Tode durch Wilke-Produkte eingetreten sind, liege demnach bei 99,6 Prozent.

Listerien für Risikogruppen lebensgefährlich

Listerien, also Keime, seien festgestellt worden. Bei gesunden Menschen würden diese lediglich grippeähnliche Symptome auslösen, sagte Dr. Martin Rintelen, Leiter des Gesundheitsamtes. Bei Risikogruppen wie Älteren, Schwangeren und Immungeschwächten könnten Listerien allerdings zum Tode führen. Beide Todesfälle seien ältere Menschen aus Hessen gewesen. Weitere Informationen dazu gebe es derzeit nicht. Beobachtet würden aktuell noch 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wilke-Produkten zusammenhängen.

Wegen Listerien in der Wurst: Rückruf-Aktion gestartet

Gestartet wurde jetzt auch eine Rückruf-Aktion für alle Produkte mit Ausnahme von Vollkonserven, so Kubat. Der Rückruf gelte weltweit. Wilke beliefert auch zahlreiche Länder außerhalb Europas. Das werde eine „logistische Herausforderung“, sei aber notwendig.

Im März sei aus Hamburg ein Listerien-Befund eines Wilke-Produkts gekommen, damals habe es bereits einen internen Rückruf gegeben, so Rintelen. „Im Mai gab es dann eine weitere Beanstandung aus Baden-Württemberg.“ Damals habe man sich bereits mit der Geschäftsführung zusammengesetzt und eine häufigere Beprobung und Reinigung der Maschinen und Produktionsstätten beschlossen. Dennoch gab es weiter Fälle von Verunreinigung.

Staatsanwaltschaft Kassel eingeschaltet - Betrieb geschlossen

Eine sogenannte Taskforce des Regierungspräsidiums Kassel habe daraufhin eine Untersuchung eingeleitet. Von dort sei man nun auch „angehalten“ worden, so Kubat, den Betrieb bis auf weiteres komplett zu schließen. Die entsprechenden Informationen habe man auch an die Staatsanwaltschaft Kassel weitergeleitet.

dpa/Gerhard Kneier

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