Streit um Medikamente per Knopfdruck

Erste Automaten-Apotheke Deutschlands nach 48 Stunden geschlossen

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"DocMorris - Videoberatung von DocMorris" steht in Hüffenhardt am Eingang der von der Versandapotheke DocMorris betriebenen Automatenapotheke.

Hüffenhardt - Sich ein Getränk aus dem Automaten zu ziehen, ist normal. Erstmals soll man in Deutschland jetzt auf die gleiche Weise auch Medikamente bekommen. Doch es gibt juristische Probleme.

Update: Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel sei strengen Anforderungen des Gesetzgebers unterworfen, begründete das Regierungspräsidium Karlsruhe die Entscheidung. „Die Abgabe in Hüffenhardt erfolgt nicht in einer Apotheke und ist auch nicht von der Versandhandelserlaubnis des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens umfasst.“

Die Automatenabgabe verwische in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versandhandel und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke, hieß es. Letztere unterliege - sowohl was Räumlichkeiten, als auch was Ausstattung und Fachpersonal angehe - hohen gesetzlichen Anforderungen, die durch das Abgabeterminal umgangen würden. Bei der Prüfung von Rezepten für verschreibungspflichtige Arzneimittel am Terminal beispielsweise werde gegen Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung verstoßen.

Die Landesapothekerkammer sieht sich in ihrer Rechtsauffassung gestärkt. „Das war für uns ganz klar rechtswidrig“, sagte Karsten Diers, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Die Apotheker hatten unter anderem bemängelt, dass Automaten keine Wochenend- und Nachtdienste unterhalten würden. Die Arzneimittelversorgung in Hüffenhardt, das ist auch die Auffassung des Regierungspräsidiums, sei weiterhin gesichert, da die Bevölkerung eine Rezeptsammelstelle von zwei in den Nachbarorten ansässigen Apotheken nutzen könne.

DocMorris will sich nicht sofort geschlagen geben. „Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann“, sagte Geschäftsführer Olaf Heinrich.

21.4., 9.30 Uhr:

Nachdem die einzige Apotheke in dem 2000-Seelen-Dorf Hüffenhardt in Baden-Württemberg 2015 geschlossen worden war, weil sich kein Nachfolger fand, hat jetzt der Versandhändler DocMorris dort den ersten Apothekenautomaten in Deutschland eröffnet. Die seit mehr als einem Jahr geplante Abgabestelle von Arzneimitteln sei seit Mittwoch in Betrieb, bestätigte ein Firmensprecher. Zuvor hatte die "Heilbronner Stimme" (Freitag) darüber berichtet.

Online bestellte Arzneimittel können nun in die von DocMorris gemieteten Räume geliefert werden. Beraten wird per Videochat. DocMorris-Personal in den Niederlanden gibt per Knopfdruck das Medikament frei, das dann in Hüffenhardt aus dem Automaten fällt. Kein Apotheker, sondern ein Manager übergibt es vor Ort an den Kunden. Damit wollte der Versandhändler das für ihn geltende Apothekenverbot in Deutschland umgehen: Wegen des sogenannten "Fremdbesitzverbots" sind Apothekenketten von Unternehmen untersagt.

Beim zuständigen Regierungspräsidium in Karlsruhe hat der Versandhändler entsprechend nur ein Arzneimittellager angezeigt. Man wolle sich in den nächsten Tagen ein Bild machen, sagte eine Sprecherin. Dann werde man entscheiden, ob man eingreifen müsse.

Die Apotheker im Land haben sich schon eine Meinung gebildet. "Wir halten das für unzulässig", sagte Karsten Diers, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Sollte das Regierungspräsidium nicht intervenieren, werde man weitere juristische Schritte prüfen. 

Die Kammer hatte in der Vergangenheit auch kritisiert, der Automat leiste etwa keine Nacht- und Feiertagsdienste. Die Versorgung der Gemeinde sei zudem längst geregelt. Es gebe eine Rezeptsammelstelle einer Apotheke in der Umgebung, die die Arzneimittel auch nach Hause liefere.

dpa

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