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Gasspeicher zu 75 Prozent gefüllt: Reicht das, um durch den Winter zu kommen?

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Von: Moritz Serif

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Die Gasspeicher sind voller als gedacht. Wirtschaftsexperten haben dennoch Zweifel daran, dass das ausreichen wird, wenn Putin das Gas abdreht.

Berlin - Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, verkündete vor kurzem eine zunächst positiv wirkende Nachricht: Die Gasspeicher in Deutschland seien bereits zu 75 Prozent gefüllt. Eigentlich war das Ziel für den 1. September vorgesehen gewesen. Im Oktober müssen es 85 und am ersten November 95 Prozent sein. Doch nicht jeder ist optimistisch, ob das bei einem russischen Lieferstopp von Gas reichen würde, um durch den Winter zu kommen. „Wenn Putin den Hahn komplett zudreht oder der Winter kälter wird, wird dies nicht ausreichen“, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze bei ntv.

 „Meine größte Sorge ist, dass die Bundesregierung es nicht schafft, für ausreichende Lieferungen zu sorgen“, so Schulze. Verträge mit Katar seien noch nicht geschlossen worden. Die Bundesländer müssten unbedingt mit in die Entscheidungen einbezogen werden. „Es kann nicht sein, dass der Bund oder die Bundesnetzagentur allein darüber entscheidet, wer bei einer Krise kein Gas mehr bekommt“, sagte der CDU-Politiker.

Reichen volle Gasspeicher aus? Ökonomen warnen

Wirtschaftswissenschaftler Moritz Schularick warnt ebenfalls bei der Zeit. „Wenn wir im Notfall auch ohne russisches Gas auskommen wollen, müssen wir deutlich mehr sparen“, sagt Schularick. Nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen. „Bei der Industrie geht noch mehr“, so der Wirtschaftswissenschaftler. Seine These: Deutschland müsse seinen Gasverbrauch um etwa 25 Prozent reduzieren.

Klaus Müller
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, steht vor dem Haus der Bundesnetzagentur. © Oliver Berg/dpa/picture alliance

Auch Wirtschaftsweise Veronika Grimm vertritt diese Ansicht. „Bitte bedenken, dass volle Speicher nicht reichen, um für diesen und nächsten Winter Versorgungssicherheit zu garantieren“, schreibt Grimm bei Twitter. Um wirklich abgesichert zu sein, müssten mindestens 20 Prozent eingespart werden. Niko Bosnjak vom Erdgas-Fernleitungs­netzbetreiber Open Grid Europe, schließt sich an: „Deutschland ist jedes Jahr für den Winter auf kontinuierliche Gaszuflüsse aus dem Ausland angewiesen, auch bei einem vollen Gasspeicher“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Energiekrise: Gasspeicher haben zu geringe Speicherkapazität

Private Haushalte und Unternehmen würden rund 650 Terawattstunden über den Winter verbrauchen. Die Gasspeicher hätten jedoch nur eine Speicherkapazität von 240 Terawattstunden. Das würde nicht ausreichen, um damit durch den Winter zu kommen. Neben einem kalten Winter könnte die Inflation durch die Gasumlage laut Studie weiter in die Höhe schießen. (mse)

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