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Schlüsseldienst-Abzocke: Münchner berichtet von horrenden Summen - und dreister Masche

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Verbraucher sollten beim Schlüsseldienst äußerst vorsichtig sein - es gibt viele Betrüger auf dem Markt.

Dass ein Schlüsseldienst teuer ausfallen kann, ist vielen klar. Doch die Rechnung, die ein Münchner vor Kurzem erhielt, schießt definitiv über das Ziel hinaus.

Es ist schnell passiert: Einmal kurz unaufmerksam gewesen und schon fällt plötzlich die Tür zur Wohnung ins Schloss - und man selbst ist ausgesperrt. Einziger Ausweg - oder besser gesagt: der Weg zurück in die Wohnung - ist dann oft nur noch der Schlüsseldienst. Und gerade hier gilt es, äußerst vorsichtig zu sein.

Münchner sperrt sich versehentlich aus - und wird Opfer einer dreisten Masche

Diese Erfahrung musste vor Kurzem erst der Münchner Achim K.* machen, der anonym bleiben will. Unserer Redaktion berichtete er von seiner ärgerlichen Erfahrung mit dem Schlüsseldienst - und warnt vor einer dreisten Masche. Seinen Schilderungen zufolge sperrte er sich ebenfalls unglücklich aus seiner Wohnung aus. Nach mehreren gescheiterten Versuchen selbst mithilfe von Plastikkarten die Tür zu öffnen, suchte er zusammen mit einer Nachbarin im Internet einen Schlüsseldienst heraus. Dabei stießen sie auf einen 24-Stunden-Service in Essen, der seinen Dienst für Preise ab fünf Euro anbot.

Dort rief Achim K. dann gegen 16 Uhr bei der angegebenen Handynummer an. Am Telefon wurde ihm zugesichert, dass die Mitarbeiter des Schlüsseldienstes binnen 20 bis 30 Minuten eintreffen und dabei keine Anfahrtskosten anfallen würden. Doch der Schlüsseldienst ließ auf sich warten - ein angeblicher Notfall mit einer anderen Wohnung wäre dazwischen gekommen und so kamen die Mitarbeiter nach zahlreichem Hinterhertelefonieren mit vier Stunden Verspätung gegen 21 Uhr beim Münchner an.

"Zwei Kolosse" öffnen die Tür und verlangen dafür unglaubliche Summe

Bei den beiden Männern vom Schlüsseldienst handelte es sich nach Angaben von Achim K. um "zwei Kolosse" - wobei einer von ihnen angeblich nur zum Anlernen dabei war, während der andere innerhalb weniger Minuten die Tür mit einem Feuerwehrpapier öffnete. Allerdings kam die Tür dabei auch noch zu Schaden, wie Achim K. berichtet. Nach getaner Arbeit folgte dann schon der nächste Schock für den Münchner - und zwar in Form der Rechnung.

Die Summer ergab sich demnach aus einer Arbeitspauschale von 29 Euro und einer Einsatzpauschale von 159 Euro - so weit so gut für Achim K. - sowie zusätzlichen Lohnkosten je Viertelstunde pro Mitarbeiter in Höhe von 79,80 Euro und einem Abendzuschlag von 79 Euro. Des Weiteren wurden auch Materialkosten und Mehrwertsteuer berechnet. Summa summarum kamen die Mitarbeiter also auf eine Rechnung von stolzen 450 Euro.

Und das, obwohl einer der Arbeiter nur zum Zusehen da war und der Abendzuschlag nur aufgrund der Verspätung nötig wurde. Zudem sah Achim K. die Lohnkosten bereits mit der Arbeitspauschale abgegolten. Dennoch bezahlte der Münchner widerwillig die Rechnung: Schließlich drängten ihn die Arbeiter geradezu zum Bankautomaten.

Nach Schlüsseldienst-Abzocke: Münchner informiert die Polizei und warnt vor dreister Masche

Für Achim K. handelt es sich hier klar um eine dreiste Masche, bei der Menschen abgezockt werden sollen. So wäre die Website richtig professionell aufbereitet gewesen, doch schon am nächsten Tag sei sie nicht mehr im Netz aufzufinden gewesen. Auch die Handynummer konnte nicht mehr angerufen werden, da sie sich nicht im Smartphone speichern ließ und nun vermutlich gar nicht mehr existiert.

Auch die Rechnung selbst kam dem Münchner spanisch vor: Darauf befand sich ein Stempel der Firma mit den Worten "in Gründung". Zudem stellten sich die Männer anders als auf der Website beschrieben als "Gebäudetechnik" vor. Die Mitarbeiter seien seiner Meinung nach zwar "Fachleute" - doch für diese würde es sich lohnen, weil sie auf diese Weise "Unsummen kassieren" können.

Deshalb meldete er den Fall auch der Polizei, die sich der Sache nun annimmt. Demnach könnte es sich auch um eine Firma handeln, die deutschlandweit Aufträge annimmt, Menschen abzockt und dann den Sitz, die Website sowie Handynummern wechselt, um nicht erwischt zu werden. Ähnlich geht auch die Sperrmüll-Mafia vor, von der die Redaktion bereits berichtete.

Wie schütze ich mich vor der Schlüsseldienst-Abzocke?

Um der dreisten Abzocke von Schlüsseldiensten zu entgehen, sollten Verbraucher auf einige Punkte achten:

  • Suchen Sie sich einen örtlich bekannten Schlüsseldienst. Hier sind auch die Anfahrtszeiten geringer.
  • Wer im Internet googelt, sollte stets auf den Sitz der Firma und Ortsvorwahl achten. Dahinter könnten auch Call Center stecken.
  • Informieren Sie sich schon am Telefon über Anfahrtskosten. Erhalten Sie keine Auskunft, sollten Sie woanders anrufen.
  • Telefonieren Sie unter Zeugen, damit Sie im Streitfall jemanden haben, der Ihre Aussagen bekräftigt.
  • Bevor der Schlüsseldienst seine Leistung erbringt, sollten Sie schon über einen verbindlichen Festpreis reden. Dann kann der Monteur später nicht deutlich mehr verlangen.
  • Nicht alle Zuschläge sind rechtens: Während Wochenend- und Abendzuschläge verlangt werden dürfen, sind ein "Sofortzuschlag", "Bereitstellungszuschlag" oder "Spezialwerkzeugkosten" nicht erlaubt, wie das Amtsgericht Frankfurt am Main urteilt (Az. 31 C 63/98-44).
  • Informieren Sie sich über angemessene Preise: Der Bundesverband Metall (BVM) hat dazu unverbindliche Preisempfehlungen zusammengestellt. Demnach wäre in einer Großstadt an einem normalen Werktag zwischen 8 und 18 Uhr eine Türöffnungspauschale von 84 Euro angemessen. Dazu könnten noch Zusatzbeträge kommen (hier finden Sie die Preisempfehlungstabelle des BVM).

Lesen Sie auch diesen Bericht von tz.de** Üble Abzocke! Laimer Ehepaar muss 2860 Euro für Schlüsseldienst zahlen.

Hier erfahren Sie weitere Infos zur Schlüsseldienst-Abzocke und wie Sie ihr entgehen.

Abgezockt: Die schlimmsten Fälle der Verbraucherzentrale

*Name von der Redaktion geändert

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