Nick Wilder und seine Gäste
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Nick Wilders Gäste hatten viel Spaß und freuten sich über das Live-Event: Jürgen und Manfred Charchulla (v.l.), Helmut Zierl, Yared Dibaba, Christine Mayn, Nick Wilder, Floy und Eva Habermann.

Die Welt zu Gast auf Fehmarn

Nick Wilders Livestreaming-Event: Was für eine Show

  • Simone Walper
    vonSimone Walper
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Fehmarn wurde am Freitagabend zum Nabel der Welt. Der fehmarnsche Jung Nick Wilder streamte dreieinhalb Stunden mit einem Live-Event aus dem Burg-Filmtheater.

Fehmarn – Dreieinhalb Stunden lang wurde Fehmarn am Freitagabend zum Nabel der Welt. Von der Insel aus machte sich der fehmarnsche Jung Nick Wilder mit berühmten Gästen auf eine Reise rund um die Welt und nahm Tausende von Zuschauern vor ihren Bildschirmen mit. Einige waren auch im Kinosaal, der in der vergangenen Woche extra in eine Weltbühne verwandelt worden war. Mit dabei selbstverständlich Kinobetreiber Hans-Peter Jansen, der sein Kino nur zu gern für diesen Abend zur Verfügung stellte, und Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber und Tourismusdirektor Oliver Behncke, die sich sichtlich freuten, dass es nach langer Zeit wieder einmal eine hochkarätige Veranstaltung auf Fehmarn gab und bald auch wieder mehr Gäste auf der Insel. Wie berichtet, fand das Event unter strengsten Corona-Sicherheitsbedingungen statt, und alle im Kino Anwesenden hatten sich vorher einem PCR-Test unterzogen.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnete Moderator Sebastian Conrad die mehr als ungewöhnliche Präsentation von Nick Wilders Biografie „Hallo, Herr Kaiser! Das Leben ist wilder, als man denkt“, die der Schauspieler im vergangenen Jahr nach seinem Ausstieg aus der beliebten Fernsehserie „Traumschiff“ geschrieben hat, mit den Worten: „Vom Traumschiff zum Raumschiff“. Und das traf es auch genau, denn wie in einem Raumschiff wurden Gäste und Zuschauer immer wieder an verschiedene Orte der Welt zu Menschen gebracht, die in Wilders Leben eine große Rolle spielten. Für die „Flüge“ von Fehmarn in die Welt hatte der 68-Jährige den Direktor des Hamburger Planetariums, Professor Thomas W. Kraupe, eingeladen, die Show mit einem digitalen Flugsimulator via Satellit zu begleiten. Und so spann sich ein Netz um die Welt, und Nick Wilder besuchte einige der Menschen, die sein Leben geprägt haben und mit denen ihn noch heute eine enge Freundschaft verbindet.

Wie schön, dass hier etwas live stattfinden kann.

Nick Wilder

Zu Beginn des Events, das einen fast vergessen ließ, dass sich die Welt immer noch im Corona-Ausnahmezustand befindet, begrüßte der Wahl-Amerikaner seine Gäste und die Zuschauer: „Wie schön, dass hier etwas live stattfinden kann. Seit 14 Monaten war das ja nicht mehr möglich“, und bedankte sich bei Dr. Volkmar Weckesser von der Rostocker Firma Centogene, die vor Ort die Corona-Testungen durchgeführt hatte. Mit Bildern aus seiner Kindheit und Jugendzeit startete die Reise ins Leben des fehmarnschen Jung, der von der Insel in die Welt zog.

„Die wilden Jahre fingen so mit 13/14 an“, da sei es mit der Musik losgegangen, ließ er ins Jahr 1967 blicken, als er mit Freunden eine Band gründete, „Flangia Kaiphos“, die sogar in Hamburg zur zweitbesten Schülerband Deutschlands gekrönt wurde. „Und das, obwohl wir gar keine Noten konnten, sondern nur nach Gehör spielten.“ Da sie beim Proben immer so laut gespielt hätten, habe ihnen die damalige Kinobetreiberin Frau Stein erlaubt, den Kinosaal zu nutzen, um sich für den Auftritt in Hamburg vorzubereiten. Und tatsächlich waren am Freitagabend alle Bandmitglieder zusammengekommen und spielten gemeinsam den „Red House Blues“ von Jimi Hendrix.

Der erste Gast aus Wilders Leben auf der Talk-Bühne war Schauspielkollege und Freund Helmut Zierl, der bedauerte, dass er 1970 noch nicht alt genug gewesen sei, um beim legendären „Love and Peace Festival“ mit Jimi Hendrix dabei zu sein. Er sprach über sein schwieriges Leben als Jugendlicher, das er in seiner Biografie „Der Sommer meines Lebens“ verarbeitet habe. Mit 16 sei er von der Schule und von zu Hause rausgeflogen und habe sich nach Brüssel und Amsterdam durchgeschlagen. Auf der Fahrt als Tramper nach Brüssel sei im Radio der Song „Me and Bobby McGee“ von Janis Joplin gelaufen, der ihn emotional sehr berührt habe. Und so folgte dann auch prompt die erste musikalische Einlage von Sängerin Floy, bekannt aus Angie‘s Nightclub auf der Hamburger Reeperbahn, und dem großartigen Musiker Lutz Krajenski, der sie auf einem gläsernen Flügel zu „Me and Bobby McGee“ begleitete.

Gute Laune mit Floy

Im Gespräch mit dem charmanten Gastgeber plauderte Floy über ihr Musical „Me, Myself and Janis Joplin“, das im vergangenen Herbst anlässlich von Janis Joplins 50. Todestag im English Theatre of Hamburg uraufgeführt wurde. „Die Entwicklung des Musicals hat mich durch den ersten Lockdown gerettet“, verriet die für ihre unglaubliche Soulstimme bekannte Sängerin, die mit 17 Jahren die erste Sängerin der Band „Culture Beat“ wurde. Nach einer weiteren Performance ihres Talents mit dem Song „Today I rise“, der einfach nur gute Laune versprühte und die Gäste mitklatschen ließ, ging es weiter durch Nick Wilders Leben, in dem eines der Highlights das Jahr 1977 war, als er Windsurfweltmeister wurde.

„Stargate“ war der Durchbruch

Sein nächster Gast, der aus Phoenix, Arizona, ins Burg-Filmtheater zugeschaltet wurde, war der 82-jährige Barry Goldwater Jr., der zwischen 1969 und 1983 den Bundesstaat Kalifornien im US-Repräsentantenhaus vertrat. Bei ihm hatte der junge Nick 1993 gewohnt, als er versuchte, in Hollywood als Schauspieler Fuß zu fassen. Goldwater hatte sichtlich Spaß, dabei zu sein und ließ wissen, dass der angehende Star gern gefeiert habe und ein bisschen verrückt gewesen sei. Aber er habe eine Vision gehabt und genau gewusst, was er wollte – ein guter Schauspieler sein. Nick sei bereit gewesen, dafür ein Risiko einzugehen. Und so kam 1994 dann sein Durchbruch in Roland Emmerichs Kinofilm „Stargate“, der in der Wüste von Arizona spielt. Bei den Dreharbeiten lernte er seinen Schauspielkollegen Sayed Badreya kennen. „Wir dachten beide, dass der andere ein cooler Typ sei. Dabei war es für uns beide der erste Film“, lachte der Entertainer, nachdem er mit seinem Freund Sayed, der ebenfalls digital ins Burger Kino geholt wurde, gesprochen hatte.

Im Anschluss sei er immer mal wieder dem Ruf nach Deutschland gefolgt, so Wilder, der zwischendurch auch einige Passagen aus seinem Buch las. Und so kamen bei dem Live-Event auch die wichtigen 14 Jahre als „Herr Kaiser“ von der Hamburg-Mannheimer Versicherung nicht zu kurz. Musikalisch ging es weiter mit der Gruppe „In 2 deep“ aus Stuttgart. Und dann kam das „Traumschiff“. 25 Folgen und neun Jahre lang verkörperte der blonde Fehmaraner den Bordarzt Dr. Wolf Sander, bis er sich Ende vergangenen Jahres verabschiedete. Auch seine Frau, Schauspielerin Christine Mayn, spielte immer wieder beim „Traumschiff“ mit. Sie war bereits seit 1999 dabei. Und so gaben die beiden die eine oder andere Anekdote aus dieser Zeit zum Besten, und Grüße von Kollegen wurden auf der Leinwand eingespielt. Selbstverständlich durfte das Publikum auch an der Traumhochzeit der beiden in Christine Mayns Heimat Südtirol teilhaben, die am 30. Juni 2001 stattfand. Nach dem „Flug“ nach Bozen besuchte man die Kastelruther Spatzen. Dort wurde gesungen und hier spielte Nick Wilder die Mundharmonika dazu – Weltpremiere, fand er denn auch.

Vom „Traumschiff“ mitgebracht hatte der Gastgeber „Max and Friends“. Maximilian Kraft begleitete auf seinem gläsernen Flügel die Sängerin Nathalie Dorra bei „Lovely Days“ und später Sängerin Nicole Mühle bei „Never enough“ aus dem Musikfilm „The Greatest Showman“. Großartige Musikeinlagen, für die es Standing Ovations gab.

Eigentlich sollte auch Produzent Etienne Heimann bei der Show dabei sein. Er musste kurzfristig absagen. Und so sprachen Gastgeber, Moderator und Schauspielerin Eva Habermann über seinen Krimi „Jammertal“, in dem Wilder und Habermann gemeinsam vor der Kamera standen, und zeigten einen Ausschnitt. 

Weggefährten digital dabei

Eva Habermann verriet, dass sie ein Projekt mit Nick Wilder plane, und redete über ihren neuen Film „The ugly Truth“/„Die wahre Schönheit“, in dem es um die Themen Depression und Alkoholismus geht. Als gemeinsamer Freund wurde der Schauspieler Marcus Grüsser aus Lettland ins Kino geschaltet, der neben Eva Habermann in ihrem neuen Film spielt. Weitere Weggefährten Wilders, die aus der Welt digital ins Kino geholt wurden, waren Manuela und Konny Reimann aus Hawaii sowie der Komponist und Produzent Harold Faltermeyer, auf dessen Konto so bekannte Filmmusiken wie „Beverly Hills Cop“ und „Top Gun“ gehen.

Plattdüütsch stand auch auf dem Programm. Mit auf der Bühne, moderiert von einem großartigen Yared Dibaba, waren Walter Meß aus Landkirchen (v.l.) und Erna König aus Lübeck.

Und zum Schluss wurde es dann wieder heimatlich, als Nick Wilder die 82-jährigen Charchulla-Zwillinge auf die Bühne holte, die auf ihren aus alten Ölfässern gefertigten Instrumenten ihren Song „Tijuana Taxi“ performten und mit dem Schauspieler über ihre gemeinsame Freiheitsliebe plauderten. Anschließend übergab Sebastian Conrad die Moderation an den Hamburger Schauspieler Yared Dibaba, der die Plattdeutsch-Runde eröffnete und Fehmarns Plattdeutsch-Papst Walter Meß auf die Bühne holte. Auch fehlte Erna König aus Lübeck nicht, die mit ihren 97 Jahren „noch zum Model avancierte“, wie sie lächelnd sagte. Sie ziert eines der Corona-Impfplakate. Aber das ist noch nicht alles. Sie überraschte die Gäste mit Gedichten auf Plattdeutsch, die sie als kleines Mädchen auswendig gelernt hatte. Und Plattdeutsch-Instagram-Influencerin Oma Anni aus Visselhövede saß mit ihrer Enkelin im Publikum und wurde von Yared Dibaba auch noch kurz interviewt. Er hatte sie bei seinem plattdeutschen Freitag „Platte Freedag!“ bei Instagram kennengelernt. 

Nach dreieinhalb kurzweiligen Stunden endete die Show mit Konfettikanone. Mit der Ankündigung seines Livestreaming-Events „Es wird ein digitales Feuerwerk“ hat Nick Wilder im Vorfeld nicht zu viel versprochen. Die hochkarätige Veranstaltung war Entertainment vom Feinsten – bis aufs Detail sehr gut durchdacht und perfekt inszeniert. Und allen Beteiligten merkte man ihre große Freude darüber an, dass sie nach der langen Zeit ohne Auftritte endlich wieder einmal live agieren konnten.

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